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Politischer Mindestbeitrag

Politik? Nein danke. Vor einiger Zeit habe ich für mich festgelegt, mich nicht mehr für politische Projekte zu engagieren, was mir in den vergangenen fast zwei Jahren auch nicht wirklich schwer fiel. Zu wenig ließ sich mit bescheidenen Mitteln real erreichen, zu wertvoll ist die knapper gewordene Freizeit, zu intensiv ist derzeit das Interesse für andere Dinge. Ich lehne mich zurück und überlasse das tatkräftige Engagement den anderen. Trotzdem ist es bitter nötig, ein politischer Mensch und damit up to date zu bleiben. Das fiel mir umso mehr auf, als ich neulich mit einer Freundin diskutierte, die den Standpunkt vertrat, dass es besser sei, gar keine Nachrichten mehr zu konsumieren. Diese Nachrichten, so ihre Meinung, seien ja doch nur negativ und würden schlechte Laune verbreiten. Fast wurde dadurch wieder meine politische Leidenschaft entbrannt, denn so einfach darf man es sich meiner Meinung nach nicht machen. Totales Ausklinken führt zur Verabschiedung von einer Willensbildung und führt in letzter Konsequenz dazu, dass die Arschlöcher künftig bestimmen werden, wohin die Gesellschaft gesteuert wird. Angesichts brennender Flüchtlingsheime und der realen Gefahr, dass eine rechtsradikale Partei in sämtliche Parlamente, angefangen beim Stadtrat bis hin zum Bundestag, einziehen wird, ist politisches Interesse – so spießig es klingen mag – Bürgerpflicht. Nur wer interessiert ist, wird mit Verstand zu einer Wahl gehen und nur wer folglich demokratische Parteien wählt, wird dazu beitragen, dass der rechtsradikale Arschloch-Anteil auf der politischen Bühne so klein wie möglich gehalten wird. Diesen politischen Mindestbeitrag hat man zu leisten. Jeder und jede.

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Journalismus: Allheilmittel Crowdfinanzierung?

Romantik, ausdrücklich nicht als Schimpfwort gemeint, ist mir nicht ganz fremd und darum mag ich Crowdfunding. Umso schöner ist der Gedanke einer Crowd-Finanzierung und Beteiligung, wenn ein faires Geschäftsmodell entsteht und dadurch der gute Zweck ermöglicht oder etwas Institutionelles wie der Online-Journalismus am Leben erhalten wird. Der Hype um Crowdfunding hat jetzt schon einige Jahre auf den Buckel und mag für Internet-Verhältnisse (die Uhr tickt hier ja etwas schneller) schon gar keiner mehr sein. In Wirklichkeit ist er aber noch so jung, dass zumindest für den Journalismus noch nicht der Beweis einer langfristigen Strategie angetreten wurde. Eine, die auch ein paar Jahre hält. Kein Zweifel, das einzelne Event, hier mal eine Film- sogar Kinoproduktion (u.a. auch via Crowdinvesting), dort mal eine Auslandsreportage, konnte auf diese Weise prima finanziert werden, als Bonus war stets die Portion Aufmerksamkeit inklusive. So weit, so gewöhnlich. Einmal das Portemonnaie für den guten Zweck zu öffnen, tut auch nur einmal ganz kurz weh. Ob man aber auch Langzeit-Förderer werden möchte, überlegt man sich dann schon etwas gründlicher, zumal die Konkurrenz an förderwürdigen Medien-Projekten groß ist.

Krautreporter: Bezahlt die Crowd auch das zweite Jahr?

Dass die Krautreporter über Crowdfunding für ein ganzes Jahr eine Vorabfinanzierung erreichen konnten, ist ein echter Meilenstein, aber kein Beweis einer langfristigen Finanzierung. Hier ging es nur um eine Einmalfinanzierung – ohne weitere Verbindlichkeit. Nach der Anfangseuphorie durch die auf der Zielgeraden zustande gekommene Finanzierung setzt allmählich die Katerstimmung ein. „Der Online-Journalismus ist kaputt. Wir kriegen das wieder hin.“ So lautete der markige Slogan, mit dem im Sommer 2014 für das Projekt geworben wurde. Eine Mischung aus Augenzwinkern und Marketing, die man eben braucht, um Medienaufmerksamkeit zu generieren, gleichzeitig aber auch eine hohe Messlatte. Es scheint so, als ob die Krautreporter aus der Sicht einiger Mitglieder da nicht ran kommen. Fehlende Qualität und Quantität werden kritisiert. Tatsächlich ist von außen betrachtet die ganz große Innovation – abgesehen von der Crowdbeteiligung – kaum zu erkennen. Im Moment ist es etwas fraglich, ob die Crowd ab Herbst auch in ein zweites Krautreporter-Jahr einsteigt.

„Der Sender“ will sich über Crowdfunding und Genossenschaftsanteile finanzieren

Nicht als selbsternannter Journalismusretter und somit wesentlich unaufgeregter tritt seit gestern Der Sender in Erscheinung. Hinter dieser Idee vermute ich nicht nur reichlich Substanz, weil mit Philip Banse einer meiner Lieblingspodcaster (Küchen-/Medienradio) als Mitinitiator dahinter steht. Spätestens seit meiner ehemaligen Mitarbeit bei einer Energiegenossenschaft, die die lokalen Energienetze betreiben wollte, bin ich Fan von Genossenschaften. Eine Genossenschaft ist komplizierter als Crowdfunding, jedoch auch formal demokratischer mit stärkerer Bindung und Mitbestimmung der Mitglieder. Der Sender will nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne um Genossenschaftsmitglieder werben. Per Crowdfunding sollen Infrastruktur und ein Jahr Sendebetrieb finanziert werden. Wie dann die Mittel verwendet werden, die über Genossenschaftsanteile generiert werden sollen, wird sicherlich demnächst erklärt. Für noch wichtiger halte ich ein Konzept für eine langfristige Finanzierung.

Exakt bei der Langfristigkeit erkenne ich bei all diesen Projekten kein vollendetes Konzept. Beim „Sender“, der gerade mal vor ein paar Stunden angekündigt wurde, mag es sich noch entwickeln. Hoffentlich. Crowdfunding-Erlöse und Genossenschaftsanteile sind wunderbare Mittel für eine Anschubfinanzierung. Ich glaube aber nicht, dass man einfach nur damit auch eine dauerhafte Finanzierung auf die Beine stellen kann, wenn es nicht permanent eine stets vor dem Absaufen befindliche Charity-Veranstaltung sein soll. Ohne langfristige Finanzierungsmodelle sind es oft nur Projekte auf Zeit, die irgendwann ganz eingestampft oder auf ein Minimum geschrumpft weiter betrieben werden.
Freiwilliges Bezahlen, also de facto Spenden, worauf reine Crowdfunding-Modelle fußen, setzt Begeisterung beim Publikum, sowohl beim reinen Konsumenten als auch bei den Prosumenten, voraus. Die aufrecht zu erhalten ist auch bei hoher Qualität nicht einfach.

Täglich Mettmann: Hyperlokales Blog mit Bezahlschranke

Ist also die einzige Alternative ein Zwangsbeitrag? Ein interessantes Modell, das auch wirtschaftlich funktionieren könnte, findet man nicht in einer der bekannten Medienhochburgen, sondern in der tiefen Provinz. Mit Täglich Mettmann ging vor einigen Wochen ein hyperlokales Blog mit scharfer Bezahlschranke online. Bis jetzt nicht ohne Erfolg, wie die Macher kürzlich beim Was mit Medien-Podcast (direkter MP3-Link) berichteten. Bei dieser Schranke finde ich die geringe Hürde, die bei einem Euro beginnt, hoch akzeptabel. Ich kann die inhaltliche Qualität von Täglich Mettmann nicht beurteilen, gehe aber davon aus, dass sie höher ist als bei manchen lokalen Gratis-Medien, die sich im Wesentlichen darauf beschränken, Pressemitteilungen weitgehend unredigiert zu übernehmen.

Meine Meinung habe ich grundsätzlich nicht geändert, Bezahlschranken finde ich suboptimal. Gleichzeitig kommt mir aber zunehmend der Glaube an kontinuierlicher Journalismus-Finanzierung im Netz jenseits der Schranken abhanden. Schlau fände ich, mehrere Finanzierungsmodelle gleichzeitig zu testen. Für guten Journalismus sollte man nicht nur um einen Beitrag höflich bitten, man sollte ihn verlangen. Möglichst sozial ausgewogen.

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Die Paywall rückt näher, die Chance für alternativen Journalismus auch?

Nordwest-Zeitung in der Oldenburger Peterstraße

Die Zukunft und damit die Finanzierung des Journalismus ist nahezu weltweit ein Dauerbrenner-Thema und das Zeitungssterben findet vielerorts schon statt. Manche Regionen in Deutschland verfügen schon heute über keinen Lokaljournalismus mehr. Vergleichsweise sind wir da in Oldenburg noch in einer komfortablen Situation. Wir Konsumenten haben uns in den letzten Jahrzehnten ebenso komfortabel mit unserem Jammern über die mangelnde Vielfalt eingerichtet. (Vorspulen zu den Chancen)

Wenn Marketingsprech bemüht wird, geht es fast immer um die Kohle. „NWZonline geht den nächsten Schritt“ lautet die smarte Headline, hinter der sich die simple Botschaft verbirgt, dass die NWZ demnächst eine Paywall einführt. In Kurzform: Wer online künftig mehr als zehn Artikel im Monat lesen möchte, muss bezahlen. Es mutet etwas seltsam an, dass auch Abonnenten der Printausgabe, für die das Online-Angebot in der jetzigen Form inhaltlich so gut wie keinen Mehrwert darstellt, nochmal extra zur Kasse gebeten werden sollen.

Ist die Paywall alternativlos und sinnvoll?

Mal an dieser Stelle die alte Diskussion um die inhaltliche Qualität ausgeklammert: Dass sich auch ein regionales Medienunternehmen, dem es wirtschaftlich noch recht gut geht, über Bezahloptionen für Online-Inhalte Gedanken macht, ist nachvollziehbar und existenziell notwendig. So wie wir es heute kennen, wird das Geschäftsmodell „gedruckte Tageszeitung“ auf Dauer nicht überleben, auch nicht im Nordwesten. Paywalls sehe ich aber prinzipiell skeptisch. Die Errichtung eines Schutzwalls um etwas herum ist ein Mittel aus dem analogen Leben und bedeutet Abgrenzung: Wenn ich nicht will, dass jeder Hinz und Kunz mein Grundstück betritt oder sehen kann, lass ich die Hecke hoch wachsen. Ein Medienhaus sollte aber genau das entgegengesetzte Ziel verfolgen. Selbst wenn man mangels weiterer Ideen die Paywall für alternativlos hält, kann es nicht zukunftsweisend sein, wenn sich jedes Blatt im deutschsprachigen Netzraum sein eigenes System bastelt. Zweifelsohne darf Journalismus und die dahinter stehende Infrastruktur nicht kostenlos sein. Ihn quasi wegzusperren kann aber im 21. Jahrhundert auch nicht mehr die Lösung sein. Auch nicht wirtschaftlich, denn es wird immer Alternativen geben, die einen freien Zugang zu Informationen anbieten und dabei auf kreativem Wege Einnahmequellen generieren. Vielleicht auch in Oldenburg?

OldenburgCrowd? NWZ-Paywall eine echte Chance für Alternativen

Es ist ja nicht so, dass es keine journalistischen Alternativen gibt. Viele konnten aber nur kurz überleben, egal ob sie analog „Posaune“ und „Oldenburger Allgemeine“ oder digital „Oldenburger Lokalteil“ hießen. Tapfer über Wasser hält sich nach wie vor die Oldenburger Onlinezeitung und den Diabolo als wöchentliches Blättchen (online katastrophal – sorry!) gibt es auch noch.

Über seinen Abschied vom Oldenburger Lokalteil vor gut einem Jahr (womit sich zugleich auch das ganze Magazin verabschiedete) schrieb damals Maik Nolte in seinem Blog:

„Auf der Ebene allerdings, auf der der Lokalteil bislang agierte, von der er auch nie herunterkam und die zuletzt auch noch arg aus der Balance geraten war, ist das nicht zu bewerkstelligen. Was mich betrifft, hat die mit der Herausgabe dieses Magazins betriebene Selbstausbeutung schon vor geraumer Zeit jedes vertretbare Maß weit hinter sich gelassen.“

Mit der „Selbstausbeutung“ liefert Maik aus meiner Sicht das wichtige Stichwort, denn viele journalistische Alternativen zu den jeweiligen Platzhirschen basieren genau darauf. Das ist auch kein Oldenburg-spezifisches Phänomen, wobei man auch überspitzt betrachtet Selbstausbeutung direkt Ausbeutung nennen könnte. Zu oft konsumieren viele Leser der kleinen journalistischen Plattformen einfach nur gratis (ggf. auch noch mit scharf geschaltetem Adblocker) während sie sich zu selten Gedanken über die wirtschaftlichen Bedingungen eben dieser Plattformen machen. Auf der anderen Seite ist es ein Fehler, wenn es klamme Online-Magazine versäumen, sich mit einem klaren Geschäftsmodell an die Leser zu wenden, um konkrete Beteiligung, die über einen Münzeinwurf in die Kaffeekasse hinausgehen, einzufordern. Wie das funktionieren kann, demonstriert seit einiger Zeit im Süden der Republik das Heddesheimblog mit dem „Soli-Abo“.

Ihr lieben Nörglerinnen und Nörgler, Engagierte, politischen Köpfe, Medieninteressierte, konstruktive Medien-Kritikerinnen und Kritiker in Oldenburg, die Zeit ist reif, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen, um so etwas wie Krautreporter auf lokaler Ebene aufzubauen. Nicht mit altem Konkurrenzdenken, indem jeder sein eigenes Süppchen kocht, jedoch kein einzelnes dieser vielen Süppchen lange warm bleiben kann. Nur die große gemeinsame Suppe mit kräftiger Beilage kann jenseits von Ausbeutung und Selbstausbeutung langfristig als mediale Alternative in Oldenburg bestehen. Funktionieren kann es mit einer Mischung aus Crowdfunding und redaktionellem Crowdsourcing (das Stichwort Prosument würde hier auch passen). Um es auf den wirtschaftlichen Teil zu begrenzen: Der bescheidene Anfang wäre gemacht, wenn gerade mal jeder 160. Oldenburger im Monat fünf Euro für ein Abo in eine neue Plattform investieren würde. Ihr lieben Skeptikerinnen und Skeptiker: Es hätte auch einen gewissen Wert, den Beweis anzutreten, dass das in Oldenburg nicht geht. Oder anders: Ich wette jetzt mal, dass das nicht geht. Wer hält dagegen?

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Social Media-Wahlkampf: Jürgen Krogmann versus Christoph Baak

Stichwahl am 12.10.: Jürgen Krogmann versus Christoph Baak

Was mit Medien haben beide schon einmal gemacht. Die Grundlagen für Medienarbeit bringen die Stichwahl-Kandidaten für das Oldenburger Oberbürgermeisteramt Jürgen Krogmann (SPD) und Christoph Baak (CDU-nominiert) also mit. Aber wie sieht es mit deren Social Media-Arbeit im Wahlkampf aus?

Während sich die SPD im letzten OB-Wahlkampf 2006 noch „stark im Aufwind“ sah, soll es in diesem Jahr „Das neue Miteinander“ richten. Die Bedeutung dahinter werden wohl auch viele gestandene Sozialdemokraten nicht klar definieren können. Dafür klingt der Slogan gewohnt „SPDig“ wie so ein zäher Brei aus „Die neue Mitte“ und „Das Wir entscheidet“.
Neigt man allgemein dazu, bei Facebook per Du und auf der Website per Sie zu kommunizieren, geht Ex-Pressesprecher Krogmann kurioserweise den umgekehrten Weg. „Gehen Sie zur Wahl. Sie entscheiden!“, fordert „Ihr Jürgen Krogmann“ auf seiner Facebook-Seite. Zeitgleich säuselt „euer Jürgen Krogmann“ auf seiner Website: „Ich habe mich vom Tage der Nominierung bis heute von euch getragen gefühlt.“ Weiterlesen

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#OBWahl14 in Oldenburg: die vergeigte Social Media-Kampagne

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Als Parteiloser hat man ja nicht oft die Ehre, Mitglied eines Wahlkampfteams zu sein. Wenn aber mit Marion Rieken eine ebenso parteilose Kandidatin mit guten Absichten für die Grünen bei einer Oberbürgermeisterwahl antritt, ist man nahezu aufgefordert, mit anzupacken. So kam es, dass ich in den letzten knapp fünf Monaten als Social Media-Berater ein bisschen Wahlkampfflair schnuppern durfte. Die Chancen waren gar nicht so mies. Oldenburg ist zwar eine konservative Stadt mit SPD-Dominanz, aber trotzdem auch so etwas wie eine grüne Hochburg. Dennoch gab es gestern mit dem Nichterreichen der Stichwahl eine klare Niederlage. Berücksichtigt man, dass das CDU(-nahe)-Lager gespalten ist und de facto mit zwei Kandidaten antrat, wiegt die Niederlage im Kampf um Platz zwei umso schwerer. Das war kein Zufall, hinter diesem Ergebnis stecken Fehler, auch meine Fehler.

Der größte Fehler war der Geburtsfehler: Für den Wahlkampf wurde eine Konzeption erarbeitet, die sich auf Print konzentrierte. Somit musste letztlich eine Schablone für gedruckte Medien auf Netz-Medien angewandt werden. Ein Experiment, das von Anfang an zum brutalstmöglichen Scheitern verurteilt war.
Der Medienwandel lässt sich nicht mehr zurückdrehen, auch wenn man es sich hier und dort vielleicht ganz gerne wünscht. Statt mit einer Portion Borniertheit eine Wahlkampfkonzeption so zu erstellen, als wären wir in den späten 1990er Jahren, als man das Internet noch als lästiges Beiwerk betrachten konnte, hätte man Chancen, die sich mit neuen Medien ergeben, mutig aufgreifen können. Wohlgemerkt, schon beim Konzept, nicht erst als Flickschusterei im Nachhinein.

Der zweite Fehler war die fehlende Social Media-Kompetenz der Kandidatin. Oder doch eher (Achtung, Selbstkritik!) die fehlende Hartnäckigkeit ihrer Social Media-Berater? Dieser Wahlkampf hat mich um eine Erfahrung reicher gemacht: Der Protagonist selbst, hier also die OB-Kandidatin, muss höchstpersönlich Social Media-Luft atmen. Das heißt nicht, dass sie selbst die Kampagne durchführen muss. So wie sie beispielsweise an Infoständen teilnimmt, hätte sie mit einem eigenen Facebook-Account auch beim Verwalten der Facebook-Seite beteiligt sein müssen. Natürlich nicht 24/7, aber regelmäßig. Das Social Media-Team hätte mit der Kandidatin frühzeitig ein intensives Coaching durchführen müssen. So war es im Ursprung auch vorgesehen. Terminschwierigkeiten im Mai und auch meine fehlende Hartnäckigkeit waren für diese Nachlässigkeiten verantwortlich. Dadurch kamen wir vor allem gegenüber Christoph Baak (CDU-Kandidat) auf der Social Media-Ebene in einen Rückstand, den wir nicht mehr aufholen konnten. Aufgrund schlechter Binnenkommunikation waren wir in vielen Fällen handlungsunfähig. So konnten wir auf viele Diskussionsbeiträge und Fragen von Facebook-Usern nicht eingehen. Das hat uns Stimmen gekostet und Chancen verbaut.

Der dritte Fehler war die Gewichtung der Wahlkampfmittel und da wären wir wieder beim „Geburtsfehler“. Während in einen missglückten Imagefilm mit Kurzfassung für das Kino, eine etwas aufgeblähte Wahlkampfzeitung und eine leicht peinliche Homestory auf „Brigitte“-Niveau sicherlich einige Gelder flossen, stand für eine effektive Onlinewerbung gerade mal eine Handvoll Euro auf Taschengeldniveau zur Verfügung. Auch etwas, was ich mir selbst ankreide, denn wir hätten im Sinne der Sache mehr fordern und umsetzen müssen. Überrascht hat mich, dass die relevanten Mitbewerber erkennbar schon zu einem frühen Zeitpunkt viel Geld in das kostenpflichtige Facebook-Marketing investierten. Da war es schon sehr früh nicht mehr möglich, Schritt zu halten.

Neben einigen Lerneffekten verbuche ich diesen Wahlkampf trotzdem als positives Erlebnis. Wir hatten bei dieser Wahl die beste Kandidatin mit dem weitaus besten Programm. Mein Respekt vor Parteileuten, die sich im Wahlkampf ehrenamtlich den Allerwertesten aufgerissen haben, ist enorm gestiegen. Schön zu beobachten war auch, dass über Parteigrenzen hinweg kollegial und fair zusammengearbeitet wurde. Die Oldenburger Linke war offizielle Unterstützerin der Kandidatur. Umso erstaunter war ich, als ich beim Lokalsender Oeins einen Funktionär der Oldenburger Grünen kurz nach Bekanntgabe des Endergebnisses mutmaßen hörte, dass die Unterstützung durch die Linken wohl eher kontraproduktiv gewesen sein könnte. Nun ja, ein bisschen Drecksau sein gehört wohl auch schon zum lokalpolitischen Geschäft. Not my business.

Update (30.09., 13:30): Um Missverständnisse zu vermeiden, die Homepage (marion-rieken.de) war sowohl inhaltlich als auch technisch vorbildlich – eine ganz starke Leistung vornehmlich von Thorsten! Aber auch die beste Website in diesem Wahlkampf deckt den gesamten Online-Auftritt einer Kandidatin nicht vollumfänglich ab, wenn die Inhalte nicht erfolgreich über Social Media-Kanäle transportiert und diskutiert werden.