Die durchwachsene 2016-Bilanz

2016 war scheiße. Jedenfalls global oder politisch betrachtet. Kein essenzieller Lichtblick kommt mir spontan in den Sinn, negative Ereignisse umso mehr: AfD bei Landtagswahlen zweistellig, die Rechte ist in ganz Europa auf dem Vormarsch und regiert bereits in Polen und Ungarn, demnächst eventuell auch in Frankreich und den Niederlanden, vielleicht auch in Italien, Trump gewählt, die Türkei entwickelt sich zu einer Diktatur, Putin ist immer noch da. Last but not least endet das Jahr mit einem mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin. Fürchterlich, grauenhaft und zugleich Wasser auf den Mühlen von AfD, Pegida und Konsorten. Wichtige Zukunftsthemen wie der Klimawandel oder soziale Gerechtigkeit werden in den Hintergrund gedrängt. Das häufig erwähnte postfaktische Zeitalter und die beginnende Trump-Ära werden wohl in den nächsten Jahren zusätzliche Brandbeschleuniger sein.

Glücklich?
2016 war ganz okay. Jedenfalls persönlich betrachtet. Da will ich gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber ich habe das Gefühl, dass ich seit einiger Zeit sehr viele richtige Entscheidungen treffe. Sowohl beruflich als auch privat. Ein Gefühl, das ich so geballt bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr hatte. Wahrscheinlich spielt mit rein, dass ich in dem Jahr mal wieder – schon zum vierten Mal (argh!) – genullt habe und bereits seit zwei Jahren so eine Art Lebensbilanz ziehe. Sogar eine sehr ehrliche. Dabei kommt automatisch die Frage auf, was man mit der zweiten Lebenshälfte noch machen will? Alles so weiter plätschern lassen oder nochmal was Neues versuchen. Hier und da ein revolutionärer Neuanfang, woanders nur neue Nuancen. Die Zeichen stehen auf Veränderung und ich fühle mich dabei immer wohler.

Die großen Veränderungen gab es im Laufe des Jahres, mehrere kleine im Dezember. Endgültig getrennt habe ich mich nach über acht Jahren von meinem Facebook-Account. Mit einer dreistelligen Anzahl von Freunden, die ja fast jeder hat, dazu eine ebenfalls dreistellige Anzahl an gelikten Seiten war das einfach nur noch nerven- und zeitraubend. Sich diesem Druck zu entziehen ist fast so befreiend wie das Gefühl nach einer langen Zeit der Qualmerei endlich Nichtraucher zu sein. Ein Stück Kontrolle über das eigene Leben bekommt man zurück. *) Wo ein Brocken wegfällt, ist Platz da für andere Sachen. Dazu gehört, dass ich fortan wieder ab und zu bloggen meinen RSS-Feedreader wieder öfter in Augenschein nehme werde, daneben bin ich – allerdings schon längerfristig – begeisterter Podcast-Hörer. Dazu gehört ebenfalls, guten Journalismus nicht nur zu konsumieren, sondern auch bescheiden zu unterstützen. Zu Weihnachten habe ich mir selbst ein Jahresabo von Perspective Daily geschenkt, eine Plattform, die hinter einer Paywall konstruktiven bzw. lösungsorientierten Journalismus betreiben möchte. Ob es mir gefällt oder nicht gefällt werde ich in einigen Monaten hier im Blog verraten.

Um die ganz kleinen Veränderungen abzurunden: Mit meinem 40 Jahren habe ich zum ersten Mal ein Fitnesscenter betreten und werde mich demnächst auch direkt für zwei Jahre binden. Der erste Besuch war interessant und der zweite ein bisschen desillusinierend, weil ich merkte, dass ich in puncto Krafttraining ganz am Anfang stehe. Nach dem dritten, vierten und fünften Besuch merkte ich jeweils, dass ich auf das regelmäßige Training nicht mehr verzichten möchte. Ich werde also dranbleiben, mindestens zwei Jahre. Dranbleiben, jedenfalls da, wo es sich lohnt, auch wenn es vorübergehend ungemütlich ist – ein guter Vorsatz, oder?

*) Disclaimer: Die Lüge in diesem Beitrag schon entdeckt? Ihr findet mich natürlich weiterhin bei Facebook, weil ich dort Seiten verwalten, u.a. die webthemen-Seite. Freunde werden wir dort aber nicht mehr. I’m sorry

2 Kommentare

  1. David Bowie, Bud Spencer, Leonard Cohen, Peter Lustig, Prince, George Michael, Götz George, etc. – 2016 haben uns doch so einige Promis aus Kindertagen verlassen und quasi gesagt, dass jetzt gut ist und wir mal selbst gucken dürfen, wie wir mit der Welt zurechtkommen. Rechte überall, dass man schon fast Angie unterstützen wollte – da ist schon was los. o_O
    Für mich selbst persönlich/privat war 2016 auch nicht so der Brüller und hat mit einer Schiene am Arm, Verdacht auf Dissektion im Nacken und einer gescheiten Grippe aufgehört. 2016 ist für mich persönlich echt zum Vergessen… 😉
    Die Facebook-Sache sehe ich ähnlich, wobei ich Facebook gerade auch für die Musiksachen noch sehr gut gebrauchen kann. Facebook ist aber definitiv ein Zeitkiller – ich hatte mich zu den Proust-Premieren von Lenin Riefenstahl auf meiner Seite schon mal dazu ausgelassen (https://www.net73.com/nach-der-verlorenen-zeit/).
    Finde es cool, dass du als Blogger zurück bist – habe dich in meiner Lese-Liste. Willkommen im Club der 40er – das Fitness-Zeugs mache ich m.W. auch seit meinem 40sten – scheint „normal“ zu sein. 😉 Inzwischen sind es aber weniger typische Gym-Sachen, sondern mehr TRX- und Zirkel-Training macht einfach Laune.
    Zum Thema Podcasts: http://www.festundflauschig.de ist hoffentlich abonniert? xD
    Grüße vom Zweitligisten

    • Haha, ich ertappe mich immer wieder dabei, Merkel wenigstens als das kleinere Übel zu sehen, ich könnte mich inzwischen sogar mit Schwarz-Grün (aber ohne die CSU!) anfreunden. Ja, die vielen Verstorbenen im Jahr 2016 kommen noch dazu, Trost ist aber, dass das, was sie geschaffen haben, bleibt.
      Was das Fitnesscenter betrifft, bin ich noch in der Orientierungsphase und da habe ich noch lange nicht alles ausgereizt. Im Moment mache ich so einen 50:50-Mix aus Cardio und Kraft. Ich lese im Moment auch einige Bücher dazu, höre Fitness-Podcasts usw.. Zum Thema Podcasts schreibe ich demnächst einen seperaten Blog-Eintrag. Fest & flauschig höre ich! 😀 Kennst du Die blaue Stunde mit Serdar Somuncu? Das ist der Nachfolge-Podcast von Schulz/Böhmermann bei Radio eins. Sehr unterhaltsam. 🙂
      Das Thema „zweite Liga“ werdet ihr ja in diesem Jahr wohl erfolgreich abhaken können.

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