Social Media-Wahlkampf: Jürgen Krogmann versus Christoph Baak

Was mit Medien haben beide schon einmal gemacht. Die Grundlagen für Medienarbeit bringen die Stichwahl-Kandidaten für das Oldenburger Oberbürgermeisteramt Jürgen Krogmann (SPD) und Christoph Baak (CDU-nominiert) also mit. Aber wie sieht es mit deren Social Media-Arbeit im Wahlkampf aus?

Während sich die SPD im letzten OB-Wahlkampf 2006 noch „stark im Aufwind“ sah, soll es in diesem Jahr „Das neue Miteinander“ richten. Die Bedeutung dahinter werden wohl auch viele gestandene Sozialdemokraten nicht klar definieren können. Dafür klingt der Slogan gewohnt „SPDig“ wie so ein zäher Brei aus „Die neue Mitte“ und „Das Wir entscheidet“.
Neigt man allgemein dazu, bei Facebook per Du und auf der Website per Sie zu kommunizieren, geht Ex-Pressesprecher Krogmann kurioserweise den umgekehrten Weg. „Gehen Sie zur Wahl. Sie entscheiden!“, fordert „Ihr Jürgen Krogmann“ auf seiner Facebook-Seite. Zeitgleich säuselt „euer Jürgen Krogmann“ auf seiner Website: „Ich habe mich vom Tage der Nominierung bis heute von euch getragen gefühlt.“

Der Eindruck, hier kommuniziert der Kandidat persönlich (auf lokalpolitischer Ebene durchaus erwartbar), drängt sich auf seiner Facebook-Seite zu keinem Zeitpunkt auf. Äußerst unmotiviert werden hier und dort Textbausteine aus Pressemitteilungen und Website recycelt. Gelegentlich wird auch einfach nur ein Link gepostet. Auf Dialog, gar auf Augenhöhe, wird kein Wert gelegt. Die wenigen Kommentare und Postings von Usern bleiben grundsätzlich unbeantwortet. Schon die Beiträge des Krogmann-Teams laden nicht zur Kommunikation ein. Es werden keine Fragen gestellt und es wird nicht nach Meinungen gefragt, es wird nur gesendet. Es ist keine Spur von Emotion erkennbar, auch kein Aufbruch. Man ist bei Facebook, weil man anno 2014 bei Facebook sein muss, sofern man nicht als hinterwäldlerisch gelten möchte. Mehr ist da nicht. Fehlende Interaktionen in Form von Diskussionen gleicht man durch kostenpflichtige Facebook-Promotion aus. Offenbar recht massiv. Durchaus ehrlich, wenn auch nicht clever, ist der Nutzername „krogmann2014“. Übersetzt heißt das: Nach dem Wahltag ist Schluss mit Facebook. Vielleicht in diesem Fall auch gut so, allgemein schade. Ein OB sollte über Facebook kommunizieren.

Wie schlägt sich der parteilose CDU-Kandidat Christoph Baak im Social Media-Sektor? Auch für einen Inhaber einer Werbeagentur ist Social Media kein Heimspiel. Im Gegenteil, wer glaubt, Facebook und Twitter ausschließlich als Werbeplattformen betrachten zu können, tappt in eine Falle. Genau dort gefangen sehe ich Baak, denn seine Beiträge sind sehr werbelastig und wenig inhaltlich. Gebrauchtwagen könnte er so sicher ganz gut verkaufen. Aber sich selbst als Politiker? Es wird schwierig, auf diese Weise vor allem die grüne Wählerklientel, auf die er bei der Stichwahl angewiesen ist, zu gewinnen.

„Original Oldenburg“ ist sein Slogan und soll sicherlich eine Anspielung auf die „zugereisten“ Ex-Oberbürgermeister Schwandner (2006-2014) und Poeschel (1996-2001) sein. Da beide so wie er CDU-nominiert waren, hätte dieser Schuss auch nach hinten losgehen können.
Positiv zu verbuchen ist, dass er offenkundig die meisten Beiträge bei Facebook selbst verfasst und ab und zu auch mal auf Kommentare antwortet. Die User werden gelegentlich, wenn auch viel zu selten, persönlich angesprochen. Dass dann hin und wieder auch das Team bekleidet mit Baak-Shirts vorgestellt wird, ist ganz nett. In den Facebook-Beiträgen gibt er überwiegend den Wähler-Motivator. Inhaltlich ist das eher dünn. Gerade in dieser Disziplin vermisse ich schon jetzt Marion Rieken.

Ein Flop auf ganzer Linie sind die #Baakfaces, ein sehr westerwellischer Wahlkampfstil. Als die sozialen Netzwerke vor etwa zehn Jahren noch in den Kinderschuhen steckten, hätte so etwas vielleicht noch funktioniert. Aber heute? Ein guter Social Media-Berater hätte von dieser kleinen Peinlichkeit dringend abgeraten. Insgesamt jedoch macht Baak den etwas besseren Social Media-Wahlkampf, mit dem er andeutet, dass er kommunikativ einen neuen Stil ins Rathaus mitbringen könnte.

Beide Kandidaten setzen fast nur auf Facebook. Das immer noch zweitwichtigste soziale Netzwerk Twitter spielt so gut wie keine Rolle. Bei Krogmann gar keine und Baak postet etwa im 14 Tage-Rhythmus. Das kann man dann auch besser ganz sein lassen.

Fazit: Der wahrscheinlich neue Oberbürgermeister Krogmann sollte kommunikativ zulegen, gerade im Netz. Nach dem achtjährigen Schwandner-Missverständnis wäre in dieser Stadt ein neuer Führungsstil mit mehr Transparenz und Kommunikationsbereitschaft erfrischend. Vielleicht wäre dann „Das neue Miteinander“ Realität und nicht mehr nur ein hohler Slogan.

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