Wie rechtsradikale Social Media-Grafiken funktionieren

Es gibt Bekannte und Freunde aus früheren Zeiten, die ich heute bei Facebook anhand ihrer Sprüche nicht wiedererkenne. So tauchte heute diese Grafik in meiner Timeline auf. Wenn es zum Beispiel um Fußball geht, störe ich mich schon lange nicht mehr an – vorübergehenden – schwarz-rot-goldenen Fahnen. Wer es als Fansymbol unbedingt braucht…

Im Kontext dieser Grafik jedoch stehen die Farben – anders als beim Fußball – für Nationalismus und somit für Ausgrenzung. Darüber hinaus gibt es ein nahezu festgelegtes Muster für rechte Social Media-Grafiken: Zuerst werden (vermeintliche) soziale Missstände angesprochen. Damit es reißerisch rüber kommt, ist fast immer von Kindern die Rede, die angeblich hungern müssten. Meistens fällt dann noch die Betonung auf „deutsche Kinder“. Sind sie mit den Kleinen fertig, widmen sie sich den ganz Alten, die „schlecht behandelt“ würden. Besonders perfide ist an dieser Grafik der Hinweis „auch diejenigen, die im Krieg den Arsch hingehalten haben“, schließlich kann man sich an zwei Fingern ausrechnen, welcher Krieg hier nur gemeint sein kann. Sobald sie mit den sozialen Missständen durch sind, kommt die auch von gewissen Parteien vertretene „Weltsozialamt“-Rhetorik zum Zuge. „Milliarden“ würde Deutschland bzw. Frau Merkel für andere Länder ausgeben, ohne zuerst an das „eigene Volk zu denken“.
Die Realität, nämlich dass gerade Deutschland an der Finanz- und Eurokrise durch günstige Zinsen unterm Strich Milliarden verdient, wird selbstverständlich ausgeblendet. Wohl auch, weil die Zielgruppe für etwas komplexere wirtschaftliche Zusammenhänge sowieso nicht empfänglich ist.

Damit es auch ordentlich viral abgeht, werden solche Sprüche zum Schluss gerne als „die (einzige) Wahrheit“ zusammengefasst und betont, dass man sehr mutig sein müsse, um sie zu vertreten. „Wetten, dass 99 % von euch sich nicht trauen, diese Nachricht zu teilen“ reicht dann schon, schlichten Gemütern zu erklären, was sie zu tun haben.

Es war schon immer eine beliebte Methode von Rechtsradikalen, Deutsche als Opfer zu stilisieren und es ist traurig zu sehen, wer alles diesen Rattenfängern auf den Leim geht. Mein Facebook-Freund hat zwei Stunden später eine Nelson Mandela-Grafik gepostet. Dazu der schöne Text:

Nelson Mandela hat uns gezeigt, dass ein Mensch die Welt verändern kann. Gemeinsam, Mensch für Mensch, können wir seinen Traum verwirklichen und für Gleichberechtigung sorgen. Jeder Mensch soll die Chance haben, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Nationalität oder Geburtsort, seinen Traum verwirklichen zu können. (ursprünglich von der Neven Subotic Stiftung auf Facebook gepostet)

Das macht das Posten der ersten Grafik noch unverständlicher. Vielleicht war es ja nur Gedankenlosigkeit.

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