Gorleben, Castor, S21 und Netzpolitik – die Netzschau vom 23. November 2011

netzschau

Die erste Netzschau wirft einen Blick nach Gorleben. Der Castortransport soll heute in Frankreich starten. Neben 19.000 Polizisten und mindestens ebenso vielen von Veranstaltern erwarteten Demonstranten stehen auch für die Journalisten Überstunden an. Die Netzguerilla organisiert in diesem Jahr wieder den “Castorticker” (Website und Twitter) mit schnellen Kurzinfos rund um den Transport und die Demos.
Ebenfalls pünktlich zum rollenden Castor startet heute the gorleben project, initiiert von der Jungen Presse Niedersachsen und der dju Hochschulgruppe Hannover. Dabei handelt es sich um ein Pressecamp für junge Medienmacher, das vom 23.-28. November 2011 in Dannenberg stattfindet: “Es wird eine Live-Berichterstattung geben, die sowohl als Blog als auch in einer Printausgabe täglich über die Ereignisse informiert. Der Blog informiert überregional, die Tageszeitung wird vor Ort gedruckt und in den Camps und unter den Demonstrierenden verteilt.”

Die Polizei muss den Castortransport schützen, was aber Polizisten noch lange nicht zu Castor-Befürwortern macht. Ganz im Gegenteil: Nach den Kollegen in Niedersachsen und auf der Bundesebene fordert auch die Gewerkschaft der Polizei in Rheinland-Pfalz einen Stopp des Atomtransportes: “Wenn eine weitere Einlagerung von Castoren in Gorleben immer bedenklicher wird, sollte der Transport auf dem kürzesten Weg zum nächsten Zwischenlager gebracht werden und das ist Philippsburg.”

In eigener Sache: Via @webthemen wird es am Samstag einige Tweets und Fotos aus Dannenberg geben. Ein ausführlicher Bericht von der Großkundgebung gegen das Endlager Gorleben folgt am Sonntag. [Update: Weil es thematisch besser passt, twittern wir über den Account @AntiAtomOL (Anti-Atom Oldenburg)]

Beinahe Gorleben-ähnliche Verhältnisse gibt es offenbar auch im Süden: Am kommenden Sonntag findet in Stuttgart die Volksbefragung über das Bahnprojekt Stuttgart 21 statt. Im Vorfeld wirft Hermann Zoller in den Nachdenkseiten den Befürwortern vor, dass sie manipulieren und die Gegner diffamieren und kriminalisieren würden. Peinlich für Ex-Ministerpräsident Oettinger (CDU): Offenbar wusste er vor zwei Jahren schon, dass das Projekt deutlich teurer als geplant werden sollte, berichtet Frontal21. Demnach habe er “auf einen schnellen Abschluss der Finanzierungsvereinbarung gedrängt, um das ‘Projekt unumkehrbar’ zu machen”.

Alvar Freude, vom AK Zensur und Mitglied der Enquête-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” des Deutschen Bundestages war auf Einladung des Vereins Kreativität trifft Technik zu Gast in Oldenburg. Dabei sprach er über eine ganze Palette von Bürgerrechts- sowie netz- und medienpolitischen Themen, angefangen beim Urheberrecht im digitalen Zeitalter, über “Zensursula” (Netzsperren) bis hin zur Vorratsdatenspeicherung. Einen Bericht mit Video-Interview gibt es bei der Huntesicht.

Die Netzschau erscheint immer montags, mittwochs und freitags. Hinweise nehmen wir gerne per Mail entgegen.

23. November 2011 von Jan Knöttig
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Protest gegen Endlager und Castortransport nach Gorleben

einWollknaeuel

Demo gegen den Castortransport in Gorleben am Samstag, den 26.11.2011

Demo gegen den Castortransport in Gorleben am Samstag, den 26.11.2011

Wenn in diesen Tagen mehrere 10.000 Menschen im niedersächsischen Wendland gegen den Castor-Transport nach Gorleben und das (de facto) Endlager für hochradioaktiven Abfall demonstrieren, stehen Erkenntnisse aus dem Jahr 1982 im Mittelpunkt. Schon damals kamen Gutachter zu der Erkenntnis, dass der dortige Salzstock für das waghalsige Vorhaben ungeeignet sei. Die Gefahr, dass radioaktive Stoffe mit dem Grundwasser in Verbindung kämen, wurde als hoch eingestuft.

X-tausendmal quer

X-tausendmal quer

Auch knapp 30 Jahre später gibt es keine Entwarnung und trotzdem hielt man über die Jahrzehnte mit erstaunlicher Borniertheit am möglichen Endlager-Standort Gorleben fest. Zwar kommt langsam Bewegung in die Diskussion. Bundesumweltminister Norbert Röttgen spricht sich inzwischen für eine “ergebnisoffene Endlagersuche” aus – jedoch ganz im Widerspruch zum anstehenden Castor-Transport, der nach einem neuen Gutachten unzulässig ist.

Die Borniertheit der Entscheidungsträger hält an und darum rufen Atomkraftgegner zur Großdemonstration in Dannenberg auf. Der Protest richtet sich dabei auch gegen die weitere Nutzung der Atomkraft, durch die auch weitere Abfälle produziert werden. Die Organisation .ausgestrahlt organisiert die Kundgebung am Samstag und fasst bundesweite Anreisemöglichkeiten zusammen.

22. November 2011 von Jan Knöttig
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Die Netzschau – immer montags, mittwochs und freitags

netzschau

Zunächst dreimal pro Woche wird es künftig an dieser Stelle eine Netzschau mit aktuellen Artikeln aus anderen Blogs und Nachrichtenportalen geben. Die Erstausgabe erscheint am Mittwoch, den 23. November.

Hinweise werden gerne per Mail entgegen genommen.

21. November 2011 von Jan Knöttig
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Anna von Simfy überbringt softe Hiobsbotschaften

Marketing-Geschwafel von Simfy

Schlechte Nachrichten hört niemand gerne. Kommerzielle Anbieter überbringen sie offenkundig nur mit Bauchschmerzen. Dass der Musikstreaming-Dienst Simfy seine Free- in Pay-User umwandeln möchte, ist verständlich. Dabei war das Marketing bis hierhin clever: User konnten nahezu uneingeschränkt kostenfrei über das Netz Musik hören. So konnte ein beachtlicher Userstamm aufgebaut werden. Doch dann kam es zum kommunikativen Desaster in Etappen. Am 20. September 2011 teilte Simfy per Newsletter mit, dass das Free-Paket eine “Neuerung erfahre”. Der Erfahrungsgewinn für die Nutzer war dann aber nicht, dass neue Features hinzukamen, sondern dass der Dienst auf 20 Stunden pro Monat eingeschränkt wurde. Ein bisschen wie als minderbemittelter Idiot abgestempelt fühlte man sich aufgrund des Marketing-Geschwafels, das mir eine Einschränkung des Dienstes als “Neuerung” – quasi als Vorteil – verkaufen wollte. Doch sollte es noch zu einer Steigerung kommen.

Am 19.11. um 05:40 Uhr wurde die nächste Hiobsbotschaft für die Free-User diesmal mit persönlicher Note verkauft. “Anna von Simfy” teilte schon im Betreff der Mail mit, dass mal wieder “Erneuerungen” anstünden. Wer sich an die letzte Mail erinnerte, ahnte schon, dass keine frohe Kunde dahinter stecken konnte:

Ab sofort hörst du 5 Stunden Musik pro Monat und besondere Premium-Titel stehen dir als 30-Sekunden-Ausschnitt zur Verfügung.

Holla, keine zwei Monate sind vergangen und schon wieder eine deutliche Einschränkung oder gar zwei? Betrachtet man die bisherige Sprachregelung Simfys als Maßstab, könnten “besondere Premium-Titel” auch ganz gewöhnliche Musikstücke sein, die man bis jetzt problemlos hören konnte.

Simfy wird sich mit dieser eigenwilligen Kommunikation keinen Gefallen erweisen. Eine offene und direkte Sprache – im Idealfall sogar eine transparente – könnte eher Verständnis, vielleicht sogar Sympathien schaffen. Marketing-Geschwafel um den heißen Brei herum produziert Verärgerung und Abkehr. Eine gute Nachricht für die verbliebenen Free-User zum Schluss: Die nächste Mail von Anna wird es – dem Zweimonats-Rhythmus folgend sicherlich erst im Januar geben, zumal der Dezember nicht der Monat der schlechten Nachrichten ist. Auch nicht für soft formulierte.

Artikelbild von Daniele Civello, CC-Lizenz

20. November 2011 von Jan Knöttig
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Ramsauer will Fahrradfahren sanktionieren

Fahrräder auf Straßen

Die “dramatische Zunahme tödlich verunglückter Fahrradfahrer” ist zweifelsohne ein Problem, auf das es zu reagieren gilt. Schärfere Geschwindigkeitsbegrenzungen für Autofahrer innerorts und mehr Fahrradstraßen sowie bessere Radwege könnten Maßnahmen sein, die Fahrradfahren sicherer machen. Geht aber nicht, denn der Bundesverkehrsminister ist von der CSU und die konservative Wählerklientel fährt eher mit vier als mit zwei Rädern. Also muss das Fahrradfahren sanktioniert werden und da ist Ramsauer gerne dabei: Wenn nicht bald über 50 Prozent aller Radfahrer einen Helm tragen, müsse eine Helmpflicht eingeführt werden.
Jeder zweite Radfahrer muss also künftig mit Kopfschutz fahren und dann ist es ganz unproblematisch, wenn die anderen 50 Prozent weiterhin ohne Helm fahren. Falls nicht, müssen alle mit Helm fahren. Das ist doch mal eine logisch nachvollziehbare Politik, nicht wahr?

19. Oktober 2011 von Jan Knöttig
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Tschüß Delicious, hallo Mister Wong!

punktum

Seit fast sechs Jahren bookmarke ich “social” bei Delicious (damals noch “del.icio.us”). Immer noch schätze ich das öffentliche Bookmarken sehr. Man kann Freunden bequem Seiten empfehlen, stößt selbst auf interessante Bookmarks von anderen Usern und hat überall schnellen Zugriff auf die eigenen Bookmarks. Weil mir die Sammelei bei Delicious irgendwann zu unübersichtlich wurde, bekamen meine “Medien”-Bookmarks einen separaten Account bei Mister Wong. Alltäglicher Kram wurde weiterhin bei Delicious getaggt.
Mittlerweile finde ich diese Trennung lästig und so war eine Zusammenführung der Bookmarks fällig. Da sich Delicious seit dem letzten Relaunch für meinen Geschmack verschlechtert hat (das “Network” gibt es nicht mehr), fällt die Entscheidung für Mister Wong nicht schwer. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer meine Bookmarks betrachten oder mit mir bei Mister Wong “befreundet” sein möchte, findet mich fortan hier (User: webthemen). Demnächst werde ich auch mal ein bisschen ausmisten und einige der aktuell 1.162 Bookmarks eliminieren.

18. Oktober 2011 von Jan Knöttig
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Freiwillige Selbstverpflichtung

Wir müssen weg von starren Gesetzen. Bundesregierung, ADAC, ADFC und VCD sollten über freiwillige Selbstverpflichtungen festlegen, dass alle Verkehrsteilnehmer bei Rot stehen bleiben. Ganz bestimmt werden sie sich dann daran halten.

17. Oktober 2011 von Jan Knöttig
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Zensur ist keine Lösung

zensurm

Wenn ein Artikel mit einer rechtfertigenden Entschuldigung für die danach folgenden Thesen beginnt, stelle ich fast immer das Lesen ein. Sich für ein paar robustere Mitteilungen vorab zu entschuldigen ist jämmerlich und macht unglaubwürdig. Irgendwas muss mich trotzdem dazu bewogen haben, Jakob Augsteins SPON-Beitrag Moralischer Notstand weiter zu lesen.
Umso interessanter ist es, einige Tage später zu erfahren, dass der Autor die einleitende Entschuldigung (“Gewalt ist keine Lösung”) für seinen Artikel gar nicht selbst verfasst hat. “Die Kollegen in Hamburg haben ihn reingeschrieben”, so Augstein.

Nicht nur das Schwärzen von Passagen in einem Artikel, sondern auch das Hinzufügen von sinnentstellenden Phrasen ist Zensur. Warum so ängstlich, SPON?

16. Oktober 2011 von Jan Knöttig
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15.10.2011: United for Global Change


(YouTube, User: bgenymous, CC)

Weitere Infos: bewegung.taz

13. Oktober 2011 von Jan Knöttig
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Kurz mitgeteilt

Der Name ist selbsterklärend und daher darf ich mich kurz fassen. Hier werden ab sofort Schnippsel veröffentlicht, die zu schade für Twitter, jedoch zu kurz für ein Magazin sind. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sollte sich ein kostenfreies Abonnement schnappen: RSS * Facebook * Twitter
Die alten Webthemen-Artikel zwischen 2004 und 2011 werden hier ebenfalls geparkt.

13. Oktober 2011 von Jan Knöttig
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