1. August 2011
von Jan Knöttig
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Der 01. August ist der Webthemen-Geburtstag und kein schlechter Anlass für eine Wortmeldung. Sieben Jahre sind seit dem ersten Eintrag vergangen und das digitale Leben ist in dieser Zeit vielseitiger, aber auch komplizierter geworden. Wo befindet sich meine eigentliche digitale Residenz? Bei Facebook, bei Twitter oder bei Google Plus? Überall gleichzeitig? Ist bloggen mit eigenem Webspace und eigener Domain überhaupt noch zeitgemäß?
Die sozialen Netzwerke bereichern das Netz, zentralisieren es aber auch und sie machen uns abhängig.
Bereicherung
Vor sieben Jahren gab es eine überschaubare Anzahl von Bloggern und entsprechend nahmen nur wenige Menschen am aktiven digitalen Leben teil. Über so etwas wie “digitale Demokratie” sprach noch niemand. Im Gegenteil, wurden Blogger ausnahmsweise mal wahrgenommen, wunderte man sich über die seltsamen “Tagebuch”-Schreiber im Netz. Etablierte Medien durchleuchteten ausschließlich die vermeintliche Gefahr, da “solche Weblogs schnell Falschmeldungen im Umlauf bringen” könnten.
Ja, Mitte des letzten Jahrzehnts lebten wir in einer anderen Welt, um nicht zu sagen: In einer skurrilen. Netzpolitik.org, Spreeblick und anderen sei Dank befinden sich viele Blogs anno 2011 auf Augenhöhe mit den Alt-Medien im Netz.
Zentralisierung und Abhängigkeit
Zentrale Plattformen fördern die digitale Kommunikation. Meine Freunde und Kontakte muss ich nicht mehr suchen. Ich finde sie bei Facebook und Google Plus. Man kann auch nicht behaupten, dass Individualität verloren geht. Die 140 Zeichen-Beschränkung bei Twitter, die ich immer noch genial finde, zwingt zur Kreativität.
Dennoch ist das zentrale Netz ein heftiger Rückschritt in uralte Zeiten, als viele glaubten, das Netz bestünde nur aus ihrer T-Online- oder AOL-Software. Heute bewegen sich viele Ottonormal-Nutzer nur noch selten außerhalb der Facebooksphäre. Da waren wir vor einigen Jahren schon mal weiter. Mit unseren Blogs hatten wir überwiegend dezentrale Plattformen, die uns selbst gehörten und unter unserer Kontrolle standen. Zentrale Plattformen wie Technorati haben sie miteinander verknüpft, aber es gab nie die Zentrale, von der wir uns alle abhängig gemacht haben. Als Netzjunkies lassen wir uns vieles bieten und wir schenken Google und Facebook unsere Inhalte. Im Gegenzug greifen wir schnelles Feedback, von dem wir – seien wir doch mal ehrlich – alle abhängig sind, ab. Man muss knüppelhart arbeiten, bis ein eigenes Blog auch nur den Hauch eines ähnlichen Community-Charakters erfährt.
Zurück zum dezentralen Netz
Geschickt eingesetzt sind die Social Networks schöne Tools, die kein Nutzer mehr missen möchte. Jeder Netz-Nutzer mit höheren Ansprüchen sollte aber seine eigene Plattform nicht gänzlich vernachlässigen. Das Netz allgemein muss sich weiterentwickeln und dezentrale Formate entwickeln, die die Vorteile der zentralen Networks beinhalten. Vielleicht wird es ja irgendwann nochmal was mit Diaspora.
Artikelbild: Logo of Diaspora Project